Next Generation | Projekt

Das Projekt "Next Generation"

Demographischer Wandel und nicht besetzte Lehrstellen kennzeichnen und belasten die Personalpolitik der bundesdeutschen Industrie, des Handwerks sowie der Dienstleistungsbranche.  Parallel dazu steht der Dienstleistungsbereich der Eingliederungshilfe gemäß Sozialgesetzbuch IX (Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen)  vor der Aufgabe, Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf aufgrund körperlicher sowie geistiger Defizite für den allgemeinen Arbeitsmarkt zu qualifizieren.

Der genannte Personenkreis hegt zum Großteil den Wunsch, Teilhabe am Arbeitsleben zu erleben – dennoch ist den meisten Arbeitgebern das Arbeitspotential behinderter Menschen nicht bekannt oder es erscheint ihnen aufgrund des individuell zu gestaltenden Arbeitsumfelds unrealistisch bzw. nicht erreichbar. Der Ansatz der Industrie 4.0 bietet Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit, neue Technologien als inklusionsförderndes Instrument zu verstehen und einzusetzen. Sie ermöglicht dem bisher nicht berücksichtigten, arbeitsmarktrelevanten Potential behinderter Menschen den barrierefreien und inklusiven Zugang zum Arbeitsmarkt, wodurch die Teilnehmer/innen als wichtige Mitglieder der arbeitenden Gesellschaft wahrgenommen werden und eine deutliche Steigerung der Lebensqualität erfahren.

Die  Zielgruppe zeichnet sich hinsichtlich körperlicher Beeinträchtigungen häufig durch Diagnosen wie Tetraparese, Skoliose der Wirbelsäule, Cerebralparese oder Diplegie aus, welche die Teilhabemöglichkeiten betroffener Personen sowie das Erleben von Selbstwirksamkeit massiv begrenzen. Die Einschränkung des Bewegungsapparats definiert sich überwiegend durch Störungen der Fein- und Grobmotorik, Koordinationsstörungen oder Störungen im geordneten Ablauf und der Koordination von Muskelbewegungen, näher bezeichnet als Ataxie.Die Mobilität ist in der Regel durch einen Rollstuhl gegeben, der teilweise durch angepasste Steuerungsmöglichkeiten selbstständig gesteuert wird. Die Zielgruppe weist im Bezug der körperlichen zur kognitiven Leistungsfähigkeit einen signifikanten Unterschied auf. 

Um sich dem realen Bedarf des anvisierten allgemeinen Arbeitsmarktes zu nähern, müssen dennoch einige Fähigkeiten vorausgesetzt werden wie beispielsweise die Möglichkeit, zielgerichtete Anweisungen zu geben oder zielgerichtet arbeiten zu können (körperliche Potenziale). Als geistige Potenziale sind Fähigkeiten wie die Umsetzung von erlerntem Wissen, eine örtliche und zeitliche Orientierung sowie das Einhalten von Arbeitssicherheitsmaßnahmen zu nennen. Bedeutende verhaltensspezifische Potenziale sind das Vorliegen einer Arbeitsbereitschaft und Motivation sowie das Vorhandensein der Lern- und Förderfähigkeit. Neben objektiven Daten werden das beobachtete Teilnehmerverhalten, Veränderungen des Verhaltens und auch Emotionen evaluiert.

Bei dem Projekt nehmen insgesamt 12 Personen (8 männlich / 4 weiblich) teil. Der Altersdurchschnitt beträgt 34 Jahre.

Zur Übersicht der Teilnehmenden!

Projektziele

  • Entwicklung eines Gestaltungskonzepts für inklusionsfördernde Mensch-Roboter-Arbeitsplätze auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
  • Praktische Umsetzung von Musteranwendungen in privatwirtschaftlichen Unternehmen
  • Öffentlichkeitswirksame Publikation der Projektergebnisse
  • die Arbeitstätigkeit überhaupt erst ermöglichen
  • die Arbeitsausführung zu erleichtern, d. h. Arbeitsbelastungen zu verringern und die Arbeitssicherheit zu gewährleisten
  • Perspektiven schaffen

Persönliche Ziele

  • Chancen bieten, Wünsche verwirklichen
  • Lebensqualität, Selbständigkeit, Selbstbestimmung, Eigenverantwortung
  • Spaß und Freude als auch Motivation und Zufriedenheit auf der Arbeit
  • Identifizierung mit einem Beruf
  • Teilhabe und Partizipation innerhalb der anerkannten Werkstatt oder aber Inklusion in einem Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes 
  • vorhandene Fähigkeiten fördern

Meilenstein 1: Anforderungs- und Fähigkeitsanalyse und Ableitung eines Profilkatalogs

Meilenstein 2: Konzeption von Musteranwendungen im Versuchsumfeld

Meilenstein 3: Realisierung von Musteranwendungen im Versuchsumfeld

Meilenstein 4: Realisierung von Musteranwendungen im betrieblichen Umfeld

Meilenstein 5: Ableitung von Handlungsleitfäden zur Anwenderunterstützung und Gewährleistung der Übertragbarkeit

Das Projekt sieht vor, ein nachhaltiges Konzept zur Gestaltung inklusionsfördernder Mensch-Roboter-Arbeitsplätze zu erarbeiten, welches die individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten der beeinträchtigten Teilnehmer sowie die technischen Anforderungen an die Arbeitsplatzausstattung gegenüberstellt.

Neben der praktischen Umsetzung von Musterarbeitsplätzen wird auch ein Profilkatalog entwickelt, welcher die Erkenntnisse des Projektes für die Gestaltung zukünftiger Mensch-Roboter-Arbeitsplätze aufbereitet und bereithält. Das langfristige Ziel dieses Katalogs besteht darin, die individuellen Fähigkeiten bzw. Beeinträchtigungen behinderter Menschen zu clustern, um den entwickelten Fähigkeitsclustern somit geeignete technische Hilfsmittel empfehlen zu können. Demnach soll der Konzeptionsaufwand für Mensch-Roboter-Arbeitsplätze zukünftig durch einen entsprechenden Profilkatalog reduziert werden. 

Zudem ist angedacht, das Projekt in geeigneter Weise mit den vorliegenden Projektpartnern fortzuführen, um die Nachhaltigkeit der Projektergebnisse zu testen und eventuell auch andere Gruppen von Behinderungen einzubeziehen. Je nach Projekterfolg ist hierbei beispielsweise die Konzeption weiterer Mensch-Roboter-Arbeitsplätze oder eine Erweiterung des Profilkatalogs denkbar. Letzten Endes sollen die Projektideen und -ergebnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden, um ein breiteres Interesse am hier verfolgten Ansatz zu wecken und weitere Folgeprojekte zu initiieren.

Ein weiterer Fokus des Projektes liegt auf den Beschäftigten. Zentral dabei sind die Themen Selbstbestimmung, Nutzerakzeptanz der Mensch-Roboter-Kollaboration und Teilhabeempfinden auf dem ersten Arbeitsmarkt. Diese Themen werden empirisch evaluiert.

Zum Einsatz kommen qualitative Erhebungsmethoden:

  • Interviews
  • Beobachtungen
  • Sekundäranalysen vorliegender personenbezogener Berichte

Im Projekt gilt es zudem die Frage zu beantworten, welche Veränderungen sich durch die Begrifflichkeiten der Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Mehrfachbehinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt für die Zielgruppe selbst, die Gesellschaft und die zusammenarbeitenden Unternehmen ergeben.

Das Projektteam

Tina Niedziella

Tina Niedziella

Projektleitung

Caritas Wertarbeit
Frohnhofstr. 41
50827 Köln
weidemann

Carlo Weidemann

Technische Projektleitung

Institut für Getriebetechnik, Maschinendynamik und Robotik - RWTH Aachen University
Eilfschornsteinstraße 18
52062 Aachen
stollenwerk (c) FHM

Prof. Dr. Nicole Stollenwerk

Wissenschaftliche Begleitung

Fachhochschule des Mittelstands (FHM) GmbH - University of Applied Sciences -
Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Unsere Projektpartner

Die Caritas Wertarbeit trägt Verantwortung für den einzelnen Menschen und für die Gesellschaft als Ganzes. Mit diesem Projekt wollen wir das Wohl unserer Zielgruppe (Menschen mit komplexer Beeinträchtigung) steigern, sie bei Ihrer Arbeit (nicht nur in den Werkstätten) unterstützen und ihnen neue Möglichkeiten bieten.  Zur praktischen Umsetzung des Gestaltungskonzeptes sollen im Rahmen von Beispielszenarien bei verschiedenen Industriepartnern behindertengerechte Mensch-Roboter-Arbeitsplätze umgesetzt werden, in denen unterschiedliche Fähigkeitsprofile bedient werden. Die Caritas Wertarbeit in Köln bietet hierbei sowohl den Zugang zur Anwendungspraxis als auch umfangreiche Erfahrungen hinsichtlich der Gestaltung des Arbeitsumfeldes von Menschen mit Behinderung und der Akzeptanz innovativer Arbeitskonzepte. 

Das Institut für Getriebetechnik, Maschinendynamik und Robotik der RWTH Aachen verfügt über langjährige Erfahrungen im Bereich der Analyse, Auslegung und Optimierung von robotischen Systemen und Bewegungseinrichtungen. Das dient  insbesondere der Entwicklung und Gestaltung von Automatisierungslösungen und individualisierten Mensch-Roboter-Arbeitsplätzen. Die Vorarbeiten des IGMR umfassen außerdem bereits gemeinsame Entwicklungen von technischen Systemen für und mit Menschen mit Behinderung. Darüber hinaus verfügt das IGMR über, für die Umsetzung der Projektziele nutzbare apparative Ausstattung. 

Die Fachhochschule des Mittelstands in Köln ist für die wissenschaftliche Begleitung,  Evaluation und Datenerhebung zuständig. Des Weiteren wird die Auswirkung des Projekts auf die Selbstwirksamkeit von Menschen mit Behinderung überprüft. In enger Zusammenarbeit mit Unternehmen, Verbänden und öffentlichen Einrichtungen entwickelt und realisiert die FHM in diesem Sinne wissenschaftlich fundierte Studien-und Weiterbildungsangebote sowie Forschungs-und Entwicklungsprojekte.

Die wissenschaftliche Betreuung des Projekts erfolgt durch folgende Personen: 

Caritas Wertarbeit: 

Tina Niedziella – Projektleitung 

Elierge Blum – Projekt Assistenz  

Matthias Grote - Steuerkreis

Norbert Pollklesener - Steuerkreis

Fabienne Mingers – Steuerkreis

Dr. Hendrik Ewers – Facharzt für Arbeitsmedizin

Institut für Getriebetechnik, Maschinendynamik und Robotik (IGMR): 

Carlo Weidemann – Technische Projektleitung 

Elodie Hüsing – Projekt Assistenz

Prof. Dr.-Ing. Mathias Hüsing – Steuerkreis

Fachhochschule des Mittelstands

Prof. Dr. Nicole Stollenwerk – Wissenschaftliche Begleitung / Steuerkreis

Heiko Reich - Studentische Hilfskraft

Projektbegleitender Beirat 

Darüber hinaus wird das Vorhaben von einem projektbegleitenden Beirat – bestehend aus Vertretern der Forschung, der Industrie sowie der Berufsgenossenschaften – unterstützt, welcher als beratendes Organ dient und u.a. einen direkten Bezug zur Wirtschaft beziehungsweise industriellen Praxis gewährleistet.

Somit wird durch regelmäßige Treffen und Informationsveranstaltungen (Kick-off-, Midterm-, End-Meeting) die Sichtweise der Inklusionsforschung sowie der Anwendungspraxis berücksichtigt und eine Umsetzbarkeit der Projektziele aus Unternehmens- und Werkstättensicht garantiert.